Tourtagebuch 1. USA-Tour

Tag 1 (Donnerstag, 2.8.2007):
Der Wecker klingelt um 5:55, nachdem wir in der Nacht noch bis halb zwei gepackt haben – aber das Adrenalin sorgt dafür, dass Müdigkeit kein Thema ist... Letzte Sachen einpacken, Haustüre abschließen und los geht’s Richtung Bahnhof und Flughafen. Am Flughafen lange anstehen, unterbrochen von einer Räumung des Gebäudes wegen eines herrenlosen Koffers, einchecken inkl. des riesigen Spezialkoffers mit Jürgens Gitarre...und dann geht’s los! Nach der Landung warten wir eine halbe Ewigkeit an der Immigration, bis wir endlich einen Schalterplatz ergattern, ein paar Fragen nach dem Woher und Wohin beantworten, Fingerabdrücke machen, Foto machen – und schon sind wir „drin“!

Gudrun & Sandra Flughafen Frankfurt

Dann mĂĽssen wir unser Gepäck holen  (super, alles noch da) und zum Anschlussflug eilen. Aufgrund der Verspätung der ersten Maschine ist er weg….aber der Schalterbeamte ist ganz entspannt und bucht uns schnell, freundlich und kompetent auf den nächsten Flug nach Boston um. Wir besteigen das nächste Flugzeug, wo wir mit viel MĂĽhe Bodhrán und Fiddle in den Gepäckfächern unterbringen und uns in unsere Sitze quetschen. Der erste Offizier sagt ĂĽber die Lautsprecher „Hi Folks, we’re just waiting for our Captain, he’ll be here in 5 Minutes...“  15 Min später sagt er „I know it’s been a long 5 Minutes...“ – alles sehr locker, das ist wirklich sehr angenehm.

usair

Gelandet in Boston haben wir allerdings den Verlust von Claus’ Koffer zu beklagen. Also machen wir uns ohne den Koffer auf, um die 1,5 Stunden Fahrt in unser Motel in Loudon New Hampshire zurückzulegen. Grün bewaldete Bergketten ziehen an uns vorbei, die Sonne geht unter und an den Tankstellen gibt es kein Bier. Schade, denn der Plan war, im Motel noch zur Belohnung ein kühles Bier zu trinken... Aber am Ende ist es dann auch egal, denn wir sind alle völlig erledigt, und als wir im Motel ankommen, nun bereits 24 Stunden ununterbrochen auf den Beinen, fallen wir in unsere Betten und schlafen....

Tag 2 (Freitag, 03.8.2007):
Punkt 8 und nach viel zu wenig Schlaf bin ich wach – der Jetlag lässt grüßen. Jürgen geht es ähnlich, und daher beschließen wir, erst einmal den Pool auszuprobieren. Danach brechen wir auf, denn in amerikanischen Motels ist das Frühstück nicht inklusive, und machen uns auf den Weg nach Vermont, wo heute der erste Gig auf dem Champlain Valley Folk Festival stattfindet. Unterwegs halten wir zum frühstücken bei Dunkin’ Donuts an, und sind begeistert. Lecker!!! Jetzt sind wir in Amerika angekommen.

Die Landschaft ist wunderschön, viel Wald, Bergketten und schöne Holzhäuser mit Veranda. In unserer Phantasie spielen sich ständig Szenen aus Hollywood-Filmen ab, die in solchen Häusern mit solchen Vorgärten spielen... Seltsamerweise sind diese Phantasien voller Monster und Psychopathen – was einiges über die Hollywood-Filme aussagt... ;-)
Als wir bei die Autobahn an einer Abfahrt verlassen und ein Stück die Landstraße entlanggefahren sind, überholt uns ein Polizeiauto und stoppt uns. Darüber haben wir schon vieles gehört: Hände am Lenkrad lassen, Fenster runter, Papiere bereithalten, nicht widersprechen. Dies schärfen wir Jürgen ein, der am Steuer sitzt. Der Polizeibeamte ist recht freundlich und fragt Jürgen, ob er eine Idee hätte, wieso er gestoppt wurde. Jürgen antwortet wahrheitsgemäß mit „no“ – da stellt sich heraus, dass wir an der Abfahrt ein Stoppschild überfahren haben. Innerlich wappne ich mich schon für ein saftiges Bußgeld, doch der Officer fragt nach dem Woher und Wohin, und da es unser erster Tag in Amerika ist, lässt er uns mit einer Verwarnung ziehen. Ab jetzt rufen alle im Wagen bei jedem Stoppschild „Haaalt!“, bis der Tiger völlig genervt von uns ist.

Wir erreichen um 14:30 das Festivalgelände, was idyllisch am (riesigen) Lake Champlain gelegen ist. Unser Soundcheck war für 15h angesetzt, da aber die Soundcrew abwinkt und sagt „Linecheck direkt vor dem Gig genügt“, gehen wir erst einmal im See schwimmen. Das Wasser ist herrlich, und die Außentemperatur tropisch (immer noch 34°C). Urlaubsstimmung kommt auf.

Da unser Konzert erst um 22h beginnt (wir sind heute der Headliner – Sprung ins kalte Wasser!), beschließen wir, noch beim Haus unserer Gastgeberin vorbeizufahren. Dort wartet unser Merchandise auf uns – große Pappkartons mit T-Shirts und Mützen. Es ist wie Weihnachten, wir packen alles aus und es sieht super aus. Auf dem Plan, den Viveka uns gezeichnet hat, sind in einem der Schlafzimmer „CDs“ eingezeichnet. Ich hatte mit Falk zusammen 330 CDs in 3 Kartons verpackt und zu Pete, dem Organisator des Festivals geschickt. Bei Viveka stehen nun ein kleiner Karton und ein ganz kleiner Karton – den ganz kleinen erkenne ich dann wieder, das waren 30 CDs, die wir extra geschickt hatten. Von den 2x 150 CDs allerdings sind nur 85 angekommen, und die auch noch beschädigt. Wir sind schockiert.

Auf dem Festivalgelände, welches ziemlich groß ist, gibt es zwar allerhand Essen und Getränke, aber keinen Alkohol. Das ist wirklich ganz anders als bei uns!
Insgesamt sind es drei Bühnen, eine große Konzertbühne, eine kleine Konzertbühne und eine Tanzbühne. Außerdem gibt es verschiedene Stände mit CDs, Instrumenten usw und einen Raum für Sessions. Leider sind wir noch so mit uns selbst beschäftigt, dass wir kaum dazu kommen, mal was von der regionalen Musik zu hören. Nur hier und da ein paar Töne, die der Wind mit herüberweht.

Unser Gig rückt nun immer näher, wir spielen uns etwas ein, ziehen uns um und dann machen wir einen 10-Minuten Line-Check vor Publikum und bevor wir wissen, wie uns geschieht, kündigt uns auch schon jemand an, die Leute klatschen, und das Konzert beginnt!! Wir tun unser Bestes, allerdings sind die Instrumente vom Flug doch noch etwas mitgenommen. Eine Gitarrensaite verabschiedet sich gleich im ersten Stück, der Dudelsack rutscht beim zweiten Stück gleich zweimal mit hörbarem „Pfrööö“ auseinander, der Monitorsound ist diffus.... Aber trotzdem sind die Leute begeistert und gut drauf, und das trägt uns bis zum Ende – und wir bekommen sogar standing ovations! Wow! Danach kommen unglaublich viele Leute an die Bühne, die uns sagen, wie toll sie es fanden, und wir verkaufen 45 CDs !

Tag 3 (Samstag, 4.8.2007):
Heute ist früh aufstehen angesagt, denn vor uns liegen 6,5 Stunden Fahrt nach Unity in Maine. Unsere Fahrt geht durch die grünen Berge von Vermont, New Hampshire und Maine. Unsere Gastgeberin sagte „you’re gonna see a lot of trees“. Recht hat sie. Die Landschaft ist wunderschön, kleine und größere Flüsse schlängeln sich unbegradigt durch die Wiesen, überall gibt es Ahornsirup zu kaufen, die Holzhäuser passen wunderbar in die grüne Kulisse.
Im Auto bricht bisweilen der Wahnsinn aus, der Reisekoller entlädt sich in Blödeleien, wir üben amerikanischen Akzent – die Stimmung ist gut.

Um 17h kommen wir am Theater an, werden ganz herzlich empfangen und bekommen erst einmal alles gezeigt. Der Sound  ist hervorragend, und da wir einen richtigen Soundcheck haben, fĂĽhlen wir uns heute viel besser vorbereitet als gestern! Heute haben wir eine Vorgruppe, die „Rowan Brothers“ aus San Francisco. Sie singen zweistimming, mit 12-saitiger und 6-saitiger Gitarre, und fĂĽr die letzten beiden StĂĽcke laden sie sich Rolf auf die BĂĽhne ein. Dann sind wir dran. Heute läuft alles gut, und es macht SpaĂź zu spielen. So fĂĽhlen wir uns dieses Mal zwar auch geschmeichelt, aber können es eher nachvollziehen als gestern, als wir am Ende des Konzertes wieder standing ovations bekommen – vielleicht ist das aber auch nur so ein amerikanischer Brauch, oder die Leute wollen schnell nach Hause ? ;-)

Heute haben wir übrigens erstmal das volle Sortiment am Merchandise-Tisch ausgelegt: hübsch sieht das aus! Sandra und ich posieren stolz für ein Foto mit „Please-Be-Peter“-Shirt. Schade nur, dass die Firma gerade dieses hübsche „Girlie-Shirt“ nur in S und L geliefert hat...

Tag 4 (Sonntag, 5.8.2007):
Endlich habe ich das Tagebuch auf dem aktuellen Stand! Den Bericht vonTag 3 hab ich geschrieben, während ich auf ein freies Bad warte. Jetzt ist das Bad frei und Rolf ruft von nebenan „Hunger!“ Jetzt auch noch Claus. Ogott, ich muss mich beeilen!

Ein Frühstück im „Homestead Restaurant“ später:
Wir haben das Frühstück „The Hungry Homesteader“ bestellt. Alle. Es gab Pancakes mit Ahornsirup, Rührei, Speck, Würstchen, Bratkartoffeln und Kaffee bis zum Abwinken. Jürgen ist der Pfannkuchenkönig. Sandra und mir ist ein bisschen schlecht.

Außerdem gibt’s jetzt eine Kofferparty: der Koffer von Claus ist wieder da. Er freut sich so. Die Freudentänze haben wir schon gefilmt, als Bonusmaterial für unsere Live-DVD, jetzt ist Claus mit seinem Kulturbeutel wiedervereint und macht sich erstmal so richtig schön sauber!

Nun muss als nächstes das Auto gepackt werden, mit Claus’ Koffer ist das durchaus eine Herausforderung. Erstmal stellen wir alles auf die Straße, was rein muss, dann fängt Jürgen an, 3D-Tetris zu spielen. Nach ca 10 Minuten wird uns der Ernst der Lage bewusst, und wir stopfen und quetschen, puzzeln und schwitzen gemeinsam... Nach weiteren 15 Minuten ist alles im Auto. Allerdings ist nun der hinterste Platz völlig zugebaut, so dass man nach vorne keine Sicht mehr hat. Dafür brauchen wir definitiv noch eine Lösung!

Unser Ziel heißt East Dixfield und ist nicht leicht zu finden. In der Wegbeschreibung im Internet, die wir uns schlauerweise nicht ausgedruckt haben, stand der aufmunternde Satz „you will think you are lost“. Wir sind auf alles gefasst. Und tatsächlich fahren wir über geschotterte Waldwege in die Wildnis, bis wir vor einem blauen Gebäude stehen, welches ein bisschen an eine Werkstatthalle erinnert. Wir sind uns einig: hier sind wir falsch. Doch gerade als wir wenden wollen, kommt aus der Tür ein Mann, der die Arme schwenkt und uns etwas entgegenruft... das ist Phil, unser Veranstalter!

Später gesteht er uns, dass er den Moment immer besonders genießt, wenn die Musiker mit zweifelnden Blicken aus ihren Autos aussteigen („I love to watch their faces“) – wo immer sie herkommen, Schottland, Irland oder Nova Scotia... Wir werden in den Konzertsaal geführt und bekommen das Künstler-Apartment gezeigt, und falls wir irgendwelche Bedenken gehegt hatten, werden sie nun zerstreut. Das Apartment ist toll, Phil und seine Frau Jean sind extrem nett, es ist alles da, was wir brauchen. Wir bauen auf und machen Soundcheck. Die Bühne ist klein, und so hören wir uns akustisch eigentlich gut genug, was natürlich super ist für das Spielgefühl.

Nach dem Essen steht „Session with Local Musicians“ auf dem Programm. Im Konzept des Clubs inbegriffen ist, dass alle engagierten Musiker vertraglich verpflichtet sind, mit den hiesigen Musikern vor dem Gig eine halbe Stunde Session zu spielen. Das bedeutet, dass die hiesigen Musiker jede Woche die Chance bekommen, mit richtig guten Leuten zu spielen, und für die engagierten Musiker heißt es, dass man vor dem Konzert mit den Leuten bereits warm wird. Phil sagt uns später dann noch, dass er es extra auf vor dem Konzert gelegt hat, damit die Musiker sich nach dem Konzert auch wirklich entspannen können und die Gäste nicht ewig sitzen bleiben, so dass wir dann auch wirklich Privatsphäre bekommen. Man sieht, hier wurde an alles gedacht!!!!!

Das Konzert, man kann’s nicht anders sagen, ist super. Wir laufen zum ersten Mal seit wir hier sind zu Hochform auf, denn heute hört man sich gegenseitig perfekt, wir sind fit, hatten keine lange Autofahrt, sind gut gefüttert aber nicht zu satt – so macht das Spaß!!!
Unser Publikum ist zahlreich erschienen; hier im Wald hätte ich es ja gar nicht geglaubt, aber die Leute kommen von weit her, denn das Skye Theatre genießt einen ausgezeichneten Ruf. Hier hören die Leute auch ganz anders zu - es gibt Zwischenapplaus für besonders gelungene Stellen, ab und zu hört man jemand „yeah!“ sagen, der Applaus ist euphorisch, und zwar auch nach den ruhigeren Stücken – und am Schluss, fast gewöhnt man sich daran – standing ovations... ;-)

Weil wir danach hier bleiben, müssen wir nicht abbauen, können sofort zum gemütlichen Teil des Abends übergehen (Jürgen und Rolf fahren an die Tankstelle und holen Bier). Die entspannte Atmosphäre entlädt sich in einer kleinen Session am Küchentisch mit Bierdosenpyramide und danach schauen wir uns auf der Veranda noch ein bisschen den unglaublichen Sternenhimmel an. Weit und breit keine Stadt und keine Wolken am Himmel - man sieht alles. Mehrere Sternschnuppen und Wünsche später gehen wir ins Bett...

Tag 5 (Montag, 6.8.2007):
Heute wollen wir ans Meer fahren, einkaufen gehen, „Seafood“ essen (also Meeresfrüchte, eine Spezialität soll der Hummer sein)... In Freeport shoppen nicht nur wir, sondern auch Leute aus ganz Amerika und Kanada, weil dort Outlets von allen möglichen Firmen sind. Rolf macht einen Großeinkauf, denn er hat seinen Koffer halb leer mitgebracht. Aber auch wir anderen sind erfolgreich, und das trotz sintflutartiger Regenfälle.

Jetzt also ans Meer….Rolf legt seinen Finger auf die Karte am Navi und sagt „dort müsste es gut sein“. Daraufhin navigiert uns das Gerät punktgenau an einen wunderschönen kleinen Hafen mit Seafood –Restaurant („The Dolphin Marina“). Das kann kein Zufall sein!!
Wir bekommen einen ausgezeichneten Platz am Fenster mit Blick aufs Meer, und dann gibt’s Hummer, Muscheln und für Rolf das, wovon er schon die ganze Zeit geträumt hat: Hummer und Steak! (Und ich dachte, er macht Witze, aber das ist hier wirklich ein Essen, was man von der Karte bestellen kann! „Turf and Surf“!)

Tag 6 (Dienstag, 7.8.2007):
Heute ist Probentag! Nach einem Frühstück in Ellis’ Diner fahren wir zurück zum Apartment und proben im Skye Theatre. Endlich mal proben! Für alle, die uns immer fragen, wie und wann wir proben, wo wir doch so weit auseinander wohnen... zum Beispiel in Amerika!

Nach der Probe holen uns Phil und Jean ab zum Moose-hunting (Elche gucken, nicht jagen!). Wir fahren in die Berge und machen quasi eine Fotosafari. Die Landschaft ist unglaublich schön, bergig und doch ganz weit, alles bewaldet und riesige Seen dazwischen. Wir halten an spektakulären Punkten an, steigen aus, sagen oh und ah, machen jede Menge Fotos und fahren weiter...

Nur die Elche sind verschollen. Phil versichert, dass er hier noch jedes Mal welche gesehen hätte – auch die Straßenschilder sind voller Elche, ebenso die Vorgärten, Briefkästen, sogar die Tapeten auf der Toilette – nur heute will sich einfach keiner zeigen! Stattdessen erfahren wir, dass ein Grundstück am See hier eine Million Dollar kostet und viele Filmstars hier Häuser haben, weil es so schön abgeschieden ist.

Phil und Jean kennen ein gutes Restaurant am Weg, dass sich als wirklich hervorragend entpuppt. Alles schmeckt prima, und spätestens jetzt kann ich empirisch sagen, dass an dem Vorurteil über die Esskultur – zumindest was Vermont und Maine betrifft – nichts dran ist. Im Gegenteil!!!

Satt und zufrieden, auch ohne Elch, lassen wir uns von Phil nach Hause bringen, und dann nichts wie ins Bett, morgen müssen wir früh raus – vor uns liegen 6-7 Stunden Autofahrt nach Madison, Connecticut. Gute Nacht!

Tag 7 (Mittwoch, 8.8.2007):
Der Tag vergeht auf der Interstate – ich schlafe die meiste Zeit- und um 16 Uhr kommen wir planmäßig in Madison an. Unser Veranstalter und Gastgeber wohnt in einem netten Haus mit Pool im Grünen, mit zwei Töchtern, Hund und Katze, und ist extrem entspannt. „Relax!“ ist das am Meisten gebrauchte Wort an diesem Nachmittag. Und wir nehmen es uns zu Herzen.

Ich dusche, Jürgen schwimmt eine Runde im Pool (mit Brooke, dem Hund), wir sitzen draußen und erzählen. Dann grillen wir Burger und machen uns nach dem Essen auf zum Workshop. Der ist ebenfalls sehr „relaxed“. Wir unterteilen in kleine Gruppen, Fiddles, Flute, Gitarren (und ein Cello), und lernen einen Jig und einen Reel. Es läuft gut, und tatsächlich behaupten die Teilnehmer danach, es wäre einer der besten Workshops gewesen, die sie bisher besucht hätten. Das ist allerdings ein großes Kompliment angesichts der Liste an „big names“ , die sich hier die Klinke in die Hand geben.

Tag 8 (Donnerstag, 9.8.2007):
Heute ist erstmal Verwaltungsarbeit angesagt: Wir fahren nach New Haven, um eine Social Security Number zu bekommen. Die brauchen wir, um in Amerika ein Konto eröffnen zu können, welches wir brauchen, um Schecks einlösen zu können. Nach einem Tag auf dem Amt ist um 16 Uhr Soundcheck, dann gibt es eine hervorragende Bringpizza – selbst in guten italienischen Restaurants habe ich selten bessere Pizza bekommen – und dann geht es auch schon los.

Es sind unglaublich viele Leute gekommen, das macht uns glücklich, und wir spielen gut. Und so gibt es doch tatsächlich die vierten Standing Ovations in Folge!!!!
Die Leute sind unglaublich nett und begeistert und wir freuen uns.
Auch sind wir wegen des guten Besuchs deutlich ĂĽber die sowieso schon nicht geringe Garantiegage gekommen, was ein Trost ist wegen der verlorenen CDs. Und so klingt der Abend beschwingt aus, bei Charlie & Stacy und ihrer beeindruckenden CD-Sammlung...

Tag 9 (Freitag, 10.8.2007):
Wir fahren los nach Hartford, eine Universitätsstadt, wo wir nach mehreren Versuchen tatsächlich das richtige Uni-Gebäude finden. Unser Konzertsaal heute ist sehr schick, wie ein Kino aufgebaut, es gibt einen Flügel, der auf den Punkt gestimmt ist, und der Techniker ist extrem gut. Es gibt es zum ERSTEN Mal vor dem Konzert schon kaltes Bier, was auch noch gut schmeckt, und drei verschiedene Rotweine, denn unser Veranstalter (Steve) hatte am vorigen Tag eine Weinprobe wegen der Hochzeit seiner Tochter. Gut für uns! Als dann auch noch der Saal fast ganz gefüllt ist (wer hätte das gedacht? Sommersaison, unbekannte Band, großer Saal), sind wir glücklich. Unser Plakat hängt direkt neben Lunasa, und das Jahresprogramm liest sich wie das „who is who“ der irischen Musik – und wir mittendrin!

Zu unserer Ăśberraschung sind auch noch Freunde von uns aus dem Allgäu gekommen  (Eckart Lehmann, der Piper von „Blue Stone“, deren CD ich vor ein paar Jahren produziert hatte, mit Frau und Kind), die fĂĽr drei Jahre in die USA gegangen sind. Sie sind extra ĂĽber eine Stunde angereist, um unser Konzert zu besuchen! Das freut uns besonders!!!

Das Konzert läuft gut, und schon wieder gibt es Standing Ovations am Ende... Mannmannmann... Nach dem Konzert heiĂźt es einpacken, vor uns liegen noch 2 Stunden Autofahrt nach Canton, wo wir die nächsten zwei  Tage auf dem Irish Connections Festival spielen, dort checken wir heute noch ins Hotel ein. Der Tiger fährt, wir halten ihn mit Blödsinn wach und kommen heil in Canton an. An der Bar sitzen schon Beoga, die anderen trinken dort auch noch ein Bier, aber ich bin zu mĂĽde, und morgen geht es frĂĽh los!!

Tag 10 (Samstag, 11.8.2007):
ICONS Festival!!! Viel zu früh ist die Nacht vorbei, aber das macht nichts, vor uns liegen zwei spannende Tage! Wir warten auf den Shuttlebus, der uns zum Festivalgelände bringen soll. Da wir so früh dran sind (unser Konzert ist gleich um 12:15), ist das wohl der erste Shuttlebus des Tages, und unser Fahrer weiß noch nicht so recht Bescheid. Rolf managt das aber souverän, und so werden wir tatsächlich in Bühnennähe abgesetzt. „The Abbey Stage“ – mittlere Größe, genau richtig für den ersten Gig.

Später spielen hier dann Liz Carroll und John Doyle, Niamh Parsons und andere... Vor dem Konzert eilen wir noch zum Merchandise-Zelt, wo wir mit Thad von Compass Records Hände schütteln (die sollen uns ja wenn möglich unter Vertrag nehmen...) und den mageren Rest unserer CD-Bestände einchecken (Pat hat uns extra noch alle seine Bestände zu Charlie geschickt).

Unser Konzert läuft gut! Es steht zwar ein Stromgenerator direkt hinter der Bühne, der einen Viertelton zwischen D und Eb laut vor sich hinbrummt, aber wir schaffen es trotzdem beim a-capella-Anfang von Poisened Peas einigermaßen in D zu bleiben...

Ansonsten sind wir sehr zufrieden, es sind einige Leute im Publikum, die uns in Madison und Hartford schon gesehen haben, mitsingen, breit grinsen – das schafft eine überaus relaxte Atmosphäre. Auch der Bühnenmanager ist freundlich und begeistert. Das ist eine typisch amerikanische Besonderheit: das ganze Festival ist extrem entspannt, kein Stage Manager macht Stress, keiner hüpft hinter der Bühne herum und signalisiert „time out“ - und trotzdem läuft alles nach Zeitplan!

Nach dem Gig können wir nun ganz entspannt das Festival genieĂźen -  fĂĽr heute ist unsere Arbeit getan. Man kann sich ĂĽberhaupt nicht entscheiden, zu welcher BĂĽhne und welcher Band man gehen soll... Wir hören „Uncle Earl“ auf der HauptbĂĽhne 1 (Icons Stage), 5 Mädels, die Old-Time Music spielen, was uns schon mal richtig gut gefällt. Danach gibt es auf der zweiten groĂźen BĂĽhne (Compass Stage) Heidi Talbot. Das haut uns alle um! Tolle Stimme, super Besetzung (Boo Hewerdine und John McCusker). Die Sonne brät allerdings heftig auf Musiker und Publikum, und nach kĂĽrzester Zeit erinnert Johns Glatze optisch an Hummer.
John Doyle und Liz Carroll sind klasse, allerdings ist es heiĂź im Abbey-Zelt und unser Fassungsvermögen fĂĽrs erste erreicht. Deswegen gehen wir was essen im (klimatisierten) Irish Cultural Heritage Centre, wo es das Catering fĂĽr die Musiker gibt. Wir treffen Paddy Keenan, den Claus noch von frĂĽher kennt, mit Frau und Tochter (sehr nett!) und  unterhalten uns... Am Nachbartisch sitzt Kevin Burke... schon etwas surreal, das Ganze...;-).

Matt & Shannon Heaton

Danach fühlen wir uns fit für Cara Dillon, und sie schafft es tatsächlich, uns noch einmal völlig zu fesseln. Tolles Konzert! Danach schauen wir kurz im Burren Tent vorbei (die Session-Bühne), wo Uncle Earl mit Bruce Molsky jammen, allerdings bei miserablem Sound. Bei Beoga auf der Hauptbühne geht es tierisch ab, sehr virtuos und ausgetüftelt. Eamon Murray scheint keine Angst davor zu haben, dass das Publikum sich auf den Schlips getreten fühlt und erzählt munter Witze und macht ironische Kommentare. Durch die ganzen Konzerte hat sich ein gewisser Spieldruck angestaut und wir müssen uns irgendwie noch ein Ventil dafür suchen...also zurück zum Hotel.

Auf dem Weg zum Hotel unterhält uns Kevin Burke im Shuttelbus mit Anekdoten. Im Hotel zetteln wir gleich eine Session an, erst in der Bar, wo der Geräuschpegel doch zu hoch ist, und später in der Lobby. Matt und Shannon Heaton stoßen dazu, und einige andere Musiker aus der Bostoner Szene, und wir spielen schön Tunes...

Tag 11 (Sonntag, 12.8.2007):
Heute können wir ein bisschen ausschlafen. Um 14:45 sind wir dran, im „Burren Tent“. Wir frühstücken auf dem Festivalgelände. Von diesem Gig erwarten wir uns nicht viel, da bei allen, die wir dort bisher gesehen haben, der Sound extrem schlecht war bzw sich die Leute unterhalten haben. Deswegen sitzen wir ganz locker auf der Bühne und spielen ein etwas informelles Set mit ein paar Sessiontunes und ein bisschen Cara-Programm, aber ohne Klavier. Erstaunlicherweise spielen wir uns „in Rage“ und es läuft richtig gut, bis bei den Tunesets die Leute schreien – ha! Unerwartet ist das ein richtig geiles Konzert geworden. Beschwingt sitzen wir danach im Backstage-Zelt herum, wo wir unerwartet mit Bruce Molsky ins Gespräch kommen – Mann, ist der nett. Unglaublich. Boo Hewerdine sitzt mit seiner Gitarre in einer Ecke und komponiert wahrscheinlich seinen nächsten Hit, Russ Barenberg plaudert mit Jürgen über den Fishman „Aura“... entspannte, extrem nette und kollegiale Atmosphäre überall. Dann hören wir noch ein bisschen Cherish The Ladies (Compass Stage) und Bruce Molsky (Abbey Tent), und dann ist es auch schon Zeit, sich umzuziehen für unseren großen Gig auf der Compass Stage.

Der Soundcheck geht extrem schnell (nur Linecheck, nur Monitorsound, während auf der FOH (Front of House, die Bühnenlautsprecher) eine andere CD läuft... erschwerte Bedingungen. Aber der Monitorsound klingt eigentlich ganz vielversprechend. Und bevor wir es uns versehen, werden wir auch schon angekündigt, und los geht’s! Leider haben wir während der ersten 3 Stücke extrem mit Feedbacks zu kämpfen, die FOH ist riesig und brüllend laut... Schade, aber wir geben trotzdem unser Bestes. Leider entscheidet der Monitormischer, dass es besser ist, wenn er die Monitore ganz aus macht – das ist für uns natürlich keine große Hilfe... egal, wir beißen uns durch. Schließlich geht es um die Wurst: nicht nur Thad von Compass Records ist da, sondern auch alle Musiker scheinen bei uns zu sein.

Wir sind eine der letzten Bands an diesem Abend, gleichzeitig mit uns spielen auf der anderen Hauptbühne Dervish – und irgendwie waren wohl alle neugierig was wir machen: Im Publikum sind Paddy Keenan, John Doyle, ganz Beoga, Cherish The Ladies – und alle anderen eigentlich auch... Gut, dass es dunkel ist und wir das bis nach dem Konzert nicht wissen. Wir sind eigentlich gar nicht so furchtbar glücklich mit unserem Set, bekommen aber trotzdem Standing Ovations und danach hagelt es den ganzen Abend Komplimente von den Kollegen. Ein äußerst surreales Gefühl, von John Doyle gesagt zu bekommen, was für eine tolle Band Cara ist...!!!!!!!!!!!!!!!! Vielleicht träume ich das alles auch nur...?!

Nun sickert allerdings durch, dass die Hotelbar bereits geschlossen hat (und dabei ist es erst 22 Uhr!), die hatten wohl Angst vor den entfesselten Musikern ;-) Die Frau von Brian O’Donovan (dem Veranstalter) verspricht, alles zu organisieren, damit die Party nicht auf dem Trockenen sitzt... Wir glauben ja nicht so recht daran, aber erstaunlicherweise schafft die Festivalcrew das Unmögliche, und es ist genügend Bier, Wein und Wasser für die ganze durstige Meute da! Wir werden übrigens immer noch angesprochen, weil wir gestern die Session gestartet haben „thank you for starting the session!!!“. Heute spielen einige ‚locals’, mit Claus, Sandra und Rolf – eine richtig tolle Session, begnadete Musiker am Werk! Mit dabei waren Isaac Alderson, Tina Lech, Dan Isaacson, Ted Davis und ein lustiger, wuseliger Gitarrist, dessen Namen wir nicht kennen. Später gibt es sogar noch ein paar Gesangseinlagen, von Jimmy Crowley, Cathy Jordan, Heidi Talbot und Cara Dillon – sehr geil! Brian und seine Frau singen immer mit, kennen alle Lieder und Chorstimmen...! Gegen 4 Uhr morgens gehen wir ins Bett. Gegenüber von unserem Zimmerfenster ist übrigens der Pool, wo noch eine wilde Party tobt – wir verdächtigen Beoga.

Tag 12 (Montag, 13.8.2007):
Der Tag beginnt mit einer unangenehmen Überraschung... In der entspannten Partyatmosphäre meinten wir gestern nämlich uns zu erinnern, dass wir nur 2 Stunden bis zur Radiostation (WNTI) fahren müssen, dann das Interview machen und danach noch mal 2 Stunden fahren. Darum sind die Wecker spät gestellt. Gottseidank hat Rolf aber noch einmal die Strecke überprüft, und es sieht leider so aus, dass wir heute insgesamt 7-8 Stunden fahren müssen, davon 4,5 bis zur Radiostation! Mit dieser Nachricht werde ich geweckt... Es hilft ja nichts, wir quälen uns aus den Federn, und kaum bin ich im Bad, klingelt das „Business-Handy“ und Pat ist dran.Er hat eine gute Nachricht, die ich zuerst gar nicht glauben kann: ein Teil der CDs ist aufgetaucht! Es handelt sich um das Paket mit den 150 In Between Times CDs, die nun mit Fed Ex zu unserem nächsten Venue, „The Birchmere“ in Virginia geschickt werden. Das kostet schlappe 215 $, aber uns bleibt keine andere Wahl….
Nach einem schnellen Checkout verabschieden wir uns von Brian und den Musikern, die gerade in der Lobby sind, packen unser Auto in der Brathitze und steuern Dunkin’ Donuts an, zwecks Frühstück. So langsam sind wir alle (außer Rolf) das fettige Essen leid, und wünschen uns eigentlich nur ein Vollkornbrot mit Käse und Schinken oder Marmelade ;-). Aber egal, gegessen wird, was auf den Tisch kommt! Dann quetschen wir uns ins Auto und steuern Hackettstown, New Jersey an. Irgendwie hat unser Auto in den zwei Tagen auf dem Hotelparkplatz einen seltsamen Geruch angenommen. Sobald man die Klimaanlage in Betrieb nimmt, riecht es nach verfaultem Obst... Das müssen wir mal bei Gelegenheit überprüfen – vielleicht fault hier irgendwo Obst...?

Nach einer spektakulären Fahrt an der Skyline von Manhattan vorbei und über den Hudson River (tolle Brücken!) haben wir dank Stau aber nun wirklich drastische Verspätung, daher fällt der Radiotermin aus. Gegen 22 Uhr erreichen wir schließlich Aberdeen, Maryland, wo unser Motel für die Nacht wartet. Claus und Sandra sind so müde, dass sie gleich ins Bett gehen, wir anderen gehen noch in einem Restaurant namens „Olive Tree“ italienisch essen. Das Schild verspricht „Italiano Restaurante“ – italienisch wird hier demnach wohl nicht gesprochen! Das Essen ist aber überraschend gut! Ein schöner Brauch ist, dass hier nicht nur für jeden Wasser umsonst auf dem Tisch steht (und unbegrenzt nachgefüllt wird, wie übrigens auch Softdrinks, also Cola, Sprite usw.), sondern auch eine große Schüssel Salat unaufgefordert gebracht wird, mit ganz leckerem Dressing – kostet ebenfalls keinen Cent! Eine Erwähnung verdienen auch die überaus leckeren Kalifornischen Weine! Alles, was ich bisher probiert habe war hervorragend und mindestens zwei Klassen über der Qualität, die man in deutschen Restaurants bei offenen Weinen zu erwarten hat. Allerdings sind die Mengen auch kleiner ;-)

Tag 13 (Dienstag, 14.08.2007):
Es geht weiter Richtung Alexandria, Virginia. Auf dem Weg kommen wir durch Baltimore, wo es in einem Vorort einen Musikladen gibt („Appalachian Bluegrass Shoppe“), der den Fishman-Preamp „Aura“ vorrätig hat: Jürgens nächste Anschaffung. Bestärkt dadurch, dass beim ICONS Festival alle Musiker, die einen guten Gitarrensound hatten, dieses Gerät verwendeten, kauft er das Zauberkästchen. Die vielen schönen Martin- und Taylor-Gitarren probiert er erst gar nicht aus, ebenso die Mandolinen, Banjos und was sonst noch herumsteht und –hängt, sonst könnte man endlos Geld hier lassen ;-)

Nach einem Foto vom glücklichen Tiger mit der neuen Aura vor dem Musikladen verlassen wir Baltimore und fahren Richtung Washington. Im Hotel angekommen, mache Ich einen Mittagsschlaf, während die anderen nach Washington DC reinfahren und ums Weiße Haus defilieren.

Um 16 Uhr treffen wir uns in der Lobby und fahren zum Club. The Birchmere ist einer von Amerikas ältesten und renommiertesten Musikclubs und überall hängen Plakate und Spielpläne, worauf man nachlesen kann, dass jeder, aber wirklich jeder schon hier gespielt hat: Marc Cohn, Bonnie Raitt, Jerry Douglas, Solas, Altan, Ladysmith Black Mambazo, Compay Segundo .... und viele, viele, viele mehr --- und heute wir! Heute eröffnen wir den Abend, gefolgt von den „Young Dubliners“. Beim Gig, geben wir unser Bestes, um den heiligen Hallen gerecht zu werden ;-) Es klappt auch alles ganz hervorragend, und die Leute mögen es sehr, und wir verkaufen heute 27 CDs….gar nicht so wenige!

Nach dem Konzert  gibt es noch ein CD-Signing beider Bands, perfekt organisiert, mit einer extra Absperrung, an der die Leute Schlange stehen...

Dann eilen wir voraus zum Hotel, denn Eric Rigler, der Gastpiper der Young Dubliners war nicht abgeneigt, noch ein paar Tunes zu spielen, und wir hatten gegenüber vom Hotel einen Irish Pub gesehen. Viertel vor eins kommen wir dort an, Claus und ich gehen gemeinsam fragen – Claus, weil er heute so seriös aussieht mit dem neuen Hemd, und ich wegen des weiblichen Charmes. Es funktioniert prima, denn obwohl der Pub offiziell in einer Viertelstunde schließt, dürfen wir reinkommen und spielen. Der Kellner ist begeistert und spendiert uns einen Pitcher Bier, sonst sind nur wenige Gäste da. Einer hört zu, die anderen unterhalten sich leise. Die Session ist richtig super, und als später noch Eric dazustößt, spielen wir mit zwei Pipes richtig schöne Musik und gar nicht verstimmt! Der Sänger der Young Dubs ist auch noch mitgekommen und unterhält uns mit lustigen Anekdoten zwischen den Tunes. Der Kellner vom O’Malley’s Pub verabschiedet uns mit den Worten „you guys made my day“ – ein Dankeschön, welches wir nur zurückgeben können. Irische Musik zu machen ist einfach geil, denn man hat diese universelle „Sprache“ der Tunes, in der man sich mit völlig fremden Musikern wie z.B. Eric Rigler, unterhalten kann – ein schöner Gig, danach noch Session, was könnte man sich besseres vorstellen???!!! Nein, ich würde mit keinem Rockstar tauschen wollen!

Tag 14 (Mittwoch, 15.08.2007):
Heute haben wir einen Offday in Charlottesville, Virginia, einer kleinen Studentenstadt (25,000 Einwohner), wo wir morgen auch spielen.

Während der Fahrt kreisen auf dem Highway die Geier über uns und das spektakuläre Panorama der Blue Ridge Mountains zieht vorbei. Auch sehen wir mal ein paar Kühe und ein bisschen Getreide und Mais, bisher haben wir ja überwiegend Wälder gesehen.

Unser Auto riecht immer noch nach Obst, zwischenzeitliche Inspektionen verliefen ergebnislos.

Unser Hotel ist garantiert das beste Haus am Platz und nur 400 m von unserem Venue entfernt. Herrlich! Die Zimmer sind die schönsten, die wir bisher hatten und das Beste ist der groĂźzĂĽgige Spa-Bereich mit Innen- und AuĂźenpool, wo wir die nächsten zwei Stunden verbringen. So ist Musiker sein wirklich angenehm! Nach dem Duschen treffen wir uns, um  die Mall entlangzuschlendern und ein Restaurant auszuwählen. Auf der Mall drängt sich Restaurant an Restaurant, CafĂ© an CafĂ©, viele Kneipen haben Livemusik, alle Leute sitzen auf der StraĂźe und lassen es sich gut gehen. Wir genieĂźen die Urlaubsatmosphäre, schlendern einmal auf und ab und entscheiden uns fĂĽr ein Steakrestaurant, schlieĂźlich ist das typisch amerikanisch und wir haben es auf dieser Tour noch gar nicht gehabt. AnschlieĂźend noch auf einen Absacker in ein kubanisches Restaurant (Mojito!).

Tag 15 (Donnerstag, 16.08.2007):
Claus, Sandra und Rolf fahren heute zu Pat Olwell, dem Über-Flötenbauer, der eine Stunde von Charlottesville entfernt wohnt und arbeitet. Jürgen und ich schlafen aus und genießen dann das Frühstücksbuffet im Hotel, wo es alles gibt, was das Herz begehrt, sogar gescheiten Tee.

Um 16 Uhr treffen wir die anderen am Club, aber unser Tontechniker ist noch nicht da. Bill ist auch eher etwas verlangsamt, und so beschließen wir, dass noch Zeit ist für eine kleine Zwischenmahlzeit. Die Jungs entdecken den „Best Burger in town“ bei den „Five Guys“, Sandra und ich suchen uns einen Laden mit vegetarischen Sandwiches. Alle sind zufrieden.
Dann gehen wir zurĂĽck zur Lounge und warten weiter auf den Techniker. Als er dann kommt, hat er es auch gar nicht eilig... In der Zwischenzeit schreibt Rolf eine Mail an unsere Merchandise-Firma wegen der fehlenden Girlie-Shirts in M.
Dann geht auch schon das Konzert los…Im zweiten Set zieht ein Gewitter auf, und beim drittletzten Stück flackert das Licht und knallt die PA – der Techniker zieht den Stecker und wir spielen die letzten zwei Stücke unplugged. Das gefällt den Leuten natürlich ganz besonders gut!

Tag 16 (Freitag, 17.08.2007):
Wir quetschen uns in unseren geliebten Van und fahren Richtung Bedford. DrauĂźen sind es 36 °C, wie sich das anfĂĽhlen wĂĽrde wenn das Auto nicht klimatisiert wäre, ist nicht auszudenken...! Wir kommen recht frĂĽh in Bedford an, und beschlieĂźen, noch ein bisschen Sightseeing zu machen. Bedford ist ein kleines SĂĽdstaaten-Städtchen. Der Tiger macht Fotos, wir laufen ein bisschen herum, aber viel gibt es hier nicht zu sehen. Deswegen steigen wir in unsere Klima-Oase und fahren in die Berge (Otter Peaks). Dort ist es schön, tolle Landschaft und kĂĽhler. Auf einem  Picknickplatz laufen die Rehe einfach so herum, JĂĽrgen bekommt sogar eins vor die Kamera. Der Fluss ist ausgetrocknet – wie schade, da wĂĽrde ich jetzt gerne die FĂĽĂźe reinhängen lassen...

Dann steuern wir unser nächstes Ziel an: Taco Bell! Auf dem Weg dorthin filmt Sandra Rolf in der Taco-Bell-Vorfreude... sehr schönes Video, auf dem man Rolf beim Fahren sieht, und er schreit immer wieder „Enchiladas! Burritos! Quesadillas!...“ Bei Taco Bell sind alle Angestellten fettleibig, aber das Essen ist super.

Zurück in der Library gibt es leider nur 6 Kanäle, 3 Mikrofonständer und keine Phantomspeisung. Dafür ist das Klavier besser als gestern. Wir entscheiden uns für eine halb-unplugged Lösung, und es klingt erstaunlich gut...heute ist es ausverkauft, die Leute strömen schon bald in Mengen herein.
Die Show läuft sehr gut, wie gewohnt gutes Publikum, mit fachkundigen Fragen in der Pause und vielen netten, begeisterten Menschen. Beim CD-Verkauf nach dem Konzert sitze ich neben einem Stapel Girlie-Shirts – und als ich zufällig das Schildchen lese, steht dort doch tatsächlich „M“!!!!!! Oh, peinlich! Aber Sandra und ich hatten wirklich alle T-Shirt-Stapel durchgesehen und waren uns SO sicher, dass M fehlt... Seit dieser Begebenheit glaubt mir Rolf nicht mehr, wenn ich „definitv“ sage. Nach dem Konzert beeilen wir uns mit dem Einpacken, denn heute müssen wir noch 4 Stunden fahren, bis wir bei unserem Nachtquartier sind...

Tag 17 (Freitag, 18.08.2007):
Leider ist nach knapp 5 Stunden schon die Nacht vorbei... Dafür gibt es bei Super 8 leckeres Frühstück inklusive: endlich mal nur Toast mit Marmelade, schön... Wir packen das Auto und fahren los Richtung New Jersey, wo wir um 12 Uhr auf dem Knowlton Riverfest Soundcheck haben. Wir fahren durch Pennsylvania, was wirklich eine wunderschöne Landschaft hat, sogar mit Weinbergen... kein Wunder, dass hier die Pfälzer hingezogen sind! Ich muss dringend aufs Klo, und zwar schnell... Wir fahren in ein kleines Kaff, und steuern zielsicher auf das „Deitsch Eck“ Restaurant zu, wo es „homecooked deitsch meals“ gibt! Ich bekomme spontan Lust auf Rindfleisch mit Meerettichsoße... Wie schade, dass das Restaurant erst in einer Stunde öffnet!

Das Festivalgelände des Riverfests liegt idyllisch am Delaware River und macht auf den ersten Eindruck einen deutlich freakigeren Eindruck als beispielsweise das ICONS Festival. Mehr Hippieklamotten, Massagezelt, Räucherstäbchen.

Wir befürchten, dass es wieder eines dieser „Limonadenfestivals“ sein könnte – diese Befürchtung erweist sich gottseidank als völlig unbegründet: in der Backstage Area gibt es einen Zapfhahn, aus dem kühles Heineken strömt. Außerdem ein komfortables Behinderten-Dixie, was geräumig ist und mit Duftkerze und Eau de Toilette geradezu anheimelnd ausgestattet ist: man sieht, es geht auch mit einfachen Mitteln, das Leben für die Musiker angenehm zu machen!

Heute sind wir die einzige Folkband, vor uns spielt noch eine gute Countryband, die Leute tanzen bereits, die Stimmung ist super. Als die Countryband fertig ist, machen wir einen fliegenden Linecheck und los geht’s! Der Sound ist äußerst gewöhnungsbedürftig. Aber es gibt keine Feedbacks, das ist doch schon mal ein Fortschritt. Das Publikum findet uns toll, so toll, dass es sogar eine Zugabe verlangt! Das ist eine echte Besonderheit, denn Zugaben gibt es hier eigentlich fast nie – beim ICONS Festival zum Beispiel hatte keine einzige Band, egal wie berühmt, Zugaben. Standing Ovations, ja, aber dann ist Schluss. Umso erstaunter sind wir.

Danach ist „hanging around“ angesagt. Tiger und Thirsty kümmern sich um den Zapfhahn, wir unterhalten uns sehr nett mit dem ausnahmslos unglaublich freundlichen und zuvorkommenden Festival-Personal. Im Backstage gibt es leckeren brasilianischen Eintopf und verschiedene Kuchen, Obst und Kekse, zusätzlich bekommt jeder noch über 15 $ in Essensmarken und weitere Getränkemarken. Da bleibt kein Wunsch offen und kein Trommler hungrig. Wir schlendern über das Festivalgelände, probieren die verschiedenen Speisen, lassen uns im Massagezelt durchkneten, laufen ans Flussufer, wo Sandra und ich unsere Füße kühlen, und hören den anderen Bands zu, die alle wirklich erstklassig sind. Ian Parker gefällt mir besonders gut, und später am Abend natürlich Baka Beyond, die wie wir auch bei Real Good Music (Pat’s Agentur) sind, und eine Mischung aus afrikanischen und „keltischen“ Musikstilen machen. Rolf, der heute den ganzen Tag gefahren ist, wird allerdings bald müde, was man ja auch verstehen kann. Deswegen verlassen wir das Festivalgelände vorzeitig und fahren zum Hotel. Dort schließt Rolf nach dem Einchecken schwungvoll die Fahrertür, ohne sehen zu können, dass meine linke Hand noch drin war – AUTSCH! Den Rest des Abends verbringe ich mit der Hand im mit Eiswürfeln gefüllten Sektkühler. Ob ich morgen wohl spielen kann? Wir nehmen noch einen Gutenachtdrink in einem ungastlichen Pub mit lauter Musikbox ein, dann fallen wir in die Betten.

Tag 18 (Sonntag, 19.08.2007):
Mal wieder heißt es früh aufstehen. Meine Hand ist geschwollen, aber nicht so schlimm wie ich befürchtet hatte. Der faulige Obstgeruch im Auto ist unerträglich, unsere Tagesetappe führt uns auf die Halbinsel Delaware, zu „Cooldog Concerts“, Soundcheck um halb drei.
Die Fahrt ist recht ereignislos, wir kommen planmäßig dort an, und werden von einem schweißüberströmten Paul begrĂĽĂźt (unser Veranstalter), der sagt „God, you’re early!“. Dabei  sind wir genau nach Zeitplan! Das ist eigentlich bisher immer so gewesen, also schwören wir uns, auf der nächsten Tour grundsätzlich eine Stunde zu spät und alkoholisiert am Veranstaltungsort einzutreffen, damit die Erwartungshaltung an eine irische Band befriedigt wird.
Obwohl dieses Konzert ein „House Concert“ ist, gibt es einen großen Saal mit Bühne, der Platz für 80+ Personen bietet. Das Konzert ist bereits ausverkauft. Die technische Ausstattung ist exzellent, da Pauls Hobby alles ist, was mit Strom funktioniert und Knöpfe hat. Es gibt sogar In-Ear Monitoring! Das Klavier ist auch richtig gut. So macht der Soundcheck Spaß. Die Leute treffen ein, jeder bringt etwas zu essen mit. Paul und Beth stellen die Getränke (wieder eine Zapfanlage – Freude allenthalben!) und schon bald biegt sich der Esstisch vor Leckereien.

Vor uns spielen „Burning Bridget Cleary“, ein Trio bestehend aus Vater (Gitarre), Tochter (16) und Freundin der Tochter (17) (beide Geige). Die Mädels sind gut drauf. Danach sind wir dran, heute zum letzten Mal! Das Konzert ist schön, es herrscht eine entspannte, familiäre Atmosphäre und trotzdem hören die Leute gewohnt aufmerksam hin. In der Pause gibt es dann Essen vom Buffet, ich lasse alle Vorsicht fahren und lange munter hin, auch bei Nusskuchen und Cremespeisen –welche  sonst ja vor dem Singen tabu sind... Die zweite Hälfte ist genauso nett wie die erste und heute gibt es schon wieder Zugaben. (Gut, ich hatte darauf hingewiesen, dass wir heute drĂĽber reden können...) Paul wĂĽnscht sich Three Ravens, was noch erstaunlich gut funktioniert, obwohl wir es schon sehr lange nicht mehr gespielt haben. Auch unser Plinn-Set kommt noch einmal zu Ehren. Dann schlieĂźt unser letztes Konzert – und somit die Tour - mit Standing Ovations – da kann man rundum zufrieden sein!
Die anderen machen nach dem CD-Verkauf noch ein bisschen Session mit einem der Fiddle-Girls und ihrem Vater, ich pausiere wegen der Hand.

Tag 19 (Montag, 20.08.2007): Nach erfrischenden 11 Stunden Schlaf frühstücken wir ausgiebig mit Paul, der sich leutselig im Bademantel zu uns gesellt, vermutlich ist das die amerikanische Lässigkeit ;-) Nach dem Frühstück machen wir uns einen Plan, was noch alles erledigt werden muss: Pakete mit Merchandise zu Pat schicken, die restlichen CDs an CD-Baby, versuchen, unsere Schecks einzulösen, T-Shirts zählen und zusammenlegen, die Abrechnung vorbereiten, mit Pat telefonieren...

Tag 20 (Dienstag, 21.08.2007):
Abreisetag!  Nach einem schmackhaften FrĂĽhstĂĽck (Bagels mit Lachs) verpacken wir die Pakete an Pat und CD Baby und versuchen, all unsere Sachen wieder in unsere Koffer zu kriegen. JĂĽrgen war schlau und hat sich gestern von der Haushälterin den kompletten Inhalt seines Koffers waschen und zusammenlegen lassen! Gestern dachte ich noch „das muss doch nicht sein“, heute bin ich etwas neidisch auf seinen ordentlichen, wohlriechenden Kofferinhalt... Dann versucht jeder, noch ein paar Cara T-Shirts fĂĽr die Herbsttour in Europa mit in den Koffer zu quetschen. Meiner geht nur noch mit Gewalt zu, den anderen geht es ähnlich. Immerhin haben die anderen gestern noch einen kleineren Koffer extra fĂĽr Merchandise gekauft, in dem der Löwenanteil der T-Shirts transportiert werden kann. Als die Koffer gepackt sind, laden wir zum letzten Mal alles in unseren hassgeliebten Van, verabschieden uns von Paul, Beth und Ty und fahren Richtung Flughafen.
Übrigens hat Rolf heute beim Auto-Ausräumen die Quelle des Gestanks lokalisiert: im Fußraum (wieso haben wir die nicht gesehen?) zwei Bananen, in einem der Bodenfächer eine Nektarine! J
Unterwegs steuern wir obwohl wir eigentlich noch keinen Hunger haben die „Five Guys“ an: hier gibt’s die besten Burger, und bevor man sich aus Amerika verabschiedet muss man hier einfach noch mal so richtig amerikanisches Essen in Überdosis zu sich nehmen. Rolf und Tiger schaffen sogar je zwei Burger!!!

Der Rückflug verläuft unspektakulär. Die Sitze sind leider nicht breiter geworden, die 7,5 Stunden kommen einem unglaublich lang vor, wenn man nicht schlafen kann, weil es keine brauchbare Sitzposition gibt. Die Filme sind alle alt und merkwürdig, das Essen schlecht – dafür war der Flug recht billig. Ich schreibe weiter Tourtagebuch und flüchte den Rest der Zeit in die Welt von Harry Potter Band 7.
In Frankfurt haben wir Glück: unsere Koffer erscheinen extrem schnell, auch die Gitarre ist da, wir erreichen alle direkt einen Zug. Nun waren wir mehr als 24 Stunden wach, das Mantra ist „nicht vor dem Abend einschlafen“. Die Katze ist beleidigt. Ansonsten fühlt es sich gut an, wieder zuhause zu sein und wir feiern mit einer Tasse deutschem Kaffee sowie Laugenbrezeln mit Butter. Geschafft!!!!

Es war eine supertolle Tournee, wir sind um viele Erfahrungen reicher zurückgekommen und wir alle freuen uns schon auf die nächste USA-Tour im März – dann geht es durch Arizona, und nach Kalifornien an die Westküste!

So long,
Gudrun